Gästezimmer: 9 Fragen an Vera In-Albon

vera
Foto: ©Randy Schmieder

Im September war ich zu Besuch bei einem Verband, der dieses Jahr 80 Jahre alt ist und dem ich für dessen Arbeit immer wieder sehr dankbar bin: Den Schweizer Wanderwegen. Die freundlichen, sonnig-gelben Tafeln verbinde ich mit schönen und erholsamen Stunden draussen in den Bergen (naja, mit Ausnahmen vom Tessin, wo es auch abenteuerlich werden kann – oder wenn ich eine 20jährige Karte benutze und erst vor dschungelhaftem Dickicht feststelle, dass der Weg offenbar nicht so oft begangen wird).

Um eine grössere Anzahl von BesucherInnen für das Bergbüro zu erreichen, hatte ich bei den Schweizer Wanderwegen angefragt, ob wir unsere Homepages verlinken könnten. Es freut mich sehr, dass dies inzwischen der Fall ist. Um uns kennenzulernen und weitere Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten, habe ich mich dann noch mit Vera getroffen.

Mit einer Selbstverständlichkeit stöckelt mir die junge, blonde Frau in den Büros an der Monbijoustrasse entgegen. Ich hätte eher jemanden in Turnschuhen und Faserpelz erwartet. Weit gefehlt! Die kurze Irritation verfliegt, als Vera total unkompliziert und sympathisch unsere Sitzung eröffnet und mir von den Schweizer Wanderwegen und ihrem Arbeitsbereich erzählt. Erfrischend sind ihre Wortgewandtheit, ihr Humor und – dies nebenbei – ihre Vorliebe für AC/DC und ihren Chihuahua. Der kleine Hund ist übrigens wandertauglich und trippelt scheints tapfer auch mehrere Stunden mit Vera durch die Berge…bis er sie erschöpft anschaut und getragen werden möchte.

Name: Vera In-Albon
Alter: 30
Beruf: Leitende Web-Redaktorin
Arbeitgeber: Schweizer Wanderwege

1. Lebst Du ländlich oder in der Stadt – und weshalb?
Ich wohne am Stadtrand von Zürich, beim Hallenstadion. Ich mag es, dass ich nur 10 Minuten zum Flughafen, aber auch nur 10 Minuten zum HB brauche und somit schnell irgendwo in den Bergen bin. Ich mag es auch, dass ich eine wirklich gute Infrastruktur habe: Bis 23:00 Uhr zu Fuss schnell einkaufen gehen oder in zwei Minuten in einem Hong Kong Food Paradise zu Abend essen, wenn ich nun wirklich keine Lust zum Kochen habe, ist purer Luxus. Wenn es mir zu eng wird, bin ich in 15 Minuten auf dem Zürich“berg“. Natürlich habe ich nichts gegen das Land, denn ich bin auf dem Land aufgewachsen. Aber ich habe schon an vielen verschiedenen Orten gelebt. Daher: Wer weiss, wo ich als Nächstes lande…

2. Wie startest Du in einen Arbeitstag?
Ich pendle halbwach mit den öV nach Bern. Wenn ich ins Büro komme, genehmige ich mir typischerweise als erstes einen guten Kaffee (mit Milch, ohne Zucker) und lese dazu meine Mails. Dann bin ich wach.

3. Wie hältst Du Dich fit?
Ich wandere berufshalber so viel ich kann, mache täglich Spaziergänge mit meinem Hund und gehe ins Fitnesstraining.

4. Wie entspannst Du Dich?
Auf gemütlichen Hundespaziergängen/-wanderungen, beim E-Gitarrespielen und bei den leider viel zu seltenen Treffen mit Freundinnen und Freunden.

5. Was bedeuten Dir die Berge?
Als Walliserin, die als Kind viel Zeit bei Oma und Opa in den Bergen verbracht hat, habe ich eine enge Bindung zu den Bergen. Sie geben Kraft und erinnern immer wieder, dass es Beständigeres gibt als unsere kleinen Problemchen, hier und da. Sie stimmen mich zuversichtlich, dass alles schon seine Richtigkeit hat. Denn die Berge waren vor uns da und werden es noch lange nach uns sein. Ich gehe immer wieder gerne «nach Hause». Dort kann ich immer hin, wenn ich nicht mehr weiss, wo ich sonst hin soll. Sie sind mystisch, kraftvoll und man fühlt sich entweder geborgen oder bedroht. Oder beides? Es kann innert Minuten von der einen in die andere Richtung gehen. Diesen Kontrast finde ich hoch interessant.

6. Was liest Du zurzeit?
«The Genius of Dogs: How Dogs Are Smarter than You Think» von Brian Hare und Vanessa Woods, «The Youngs: The Brothers Who Built AC/DC» von Jesse Fink. Sachbücher, sozusagen. Ich schmökere auch in Werken von Joseph Campbell und in den Hunger Games, wenn mir gerade danach ist. Auf meinem Nachttisch liegt aber immer auch «Wallis – deine Berge» von Louis Weh und Ernesto Perren, ein wunderschönes Buch.

7. Was ist Dein üblicher Proviant?
Ich bin da sehr traditionell: sicher ein selbst gemachtes Sandwich, denn die gekauften kann ich nicht mehr sehen. Früchte; Äpfel oder Bananen, Darvida oder ein Powerriegel von der Kampagne Bergwandern – aber sicher, Wasser oder Tee, und ein Balisto, normalerweise.

8. Wo und wie hast Du Deine letzten Ferien verbracht?
Meine letzten Ferien habe ich auf Mallorca in einer Wohnung mit riesigem Garten gleich am Meer verbracht. Das war perfekt, um einfach einmal nichts zu tun ausser Tagesausflüge auf dieser wirklich vielfältigen Insel (und wer jetzt nur an Ballermann denkt, sollte doch bitte seinen Horizont erweitern).

Aber die Ruhe währte nicht lange, denn bereits am ersten Tag lasen wir einen Strassenhund mit kaputtem Bein auf. Der humpelte einfach auf 3 Beinen allein die Strasse entlang und sah ziemlich lausig aus. Kurzerhand luden wir ihn ins Auto und brachten ihn zur nächsten Tierärztin. Sie bestätigte, dass er nicht gechipt war, also konnten wir leider seine Besitzer nicht ausfindig machen. Aber so wie der aussah, war er schon lange allein unterwegs. Er ass auch kein Hunde- sondern nur Menschenfutter…

Leider sind alle Tierheime in Mallorca masslos überfüllt. Nachdem der Hund eine Nacht bei uns in der Ferienwohnung verbracht hatte, fanden wir dann zum Glück ein englisches Ehepaar, die herrenlose Tiere bei sich zu Hause aufnehmen. Sie nahmen sich Chewie glücklicherweise an. Es stellte sich heraus, dass er sein Becken gebrochen und konstant starke Schmerzen hatte. Laut Spezialist darf er nicht mehr operiert werden, da seine Schmerzen daher rühren, dass er bereits eine Operation hinter sich hatte, aber diese missraten und sein Becken falsch zusammengewachsen war. Er sah dann noch die Möglichkeit, zu amputieren. Scheinbar wollten sich die ehemaligen Besitzer keine weitere OP leisten und setzten ihn aus.

Eine wirklich traurige Geschichte, denn Chewie ist trotz Schmerzen der freundlichste Hund, der mir je begegnet ist. Er wedelte konstant mit dem Schwanz und war sehr aufmerksam und gleich sehr anhänglich. Chewie bekommt jetzt regelmässig Physiotherapie und schon nach einem Monat kann er wieder auf seinem Bein gehen. Ich habe eine Online-Spendenaktion gestartet, damit wir wenigstens die Tierarztrechnung bezahlen können, so dass Wayne und June Haigh nicht alleine auf dem Hund und all den zusätzlichen Kosten sitzen bleiben. Ich hoffe, er findet bald ein richtiges Zuhause mit Menschen, die ihn nicht wieder enttäuschen. Ich verstehe so etwas einfach nicht… Hunde geben uns so viel. Was für ein Unmensch setzt sein Haustier aus? Ich weiss, ich bin jetzt etwas vom Thema abgekommen, aber das musste mal so gesagt werden.

9. Hast Du spezielle Pläne für die nächsten Monate? Wenn ja: Welche?
Nicht speziell, sondern das, was ich immer mache: ich werde meine Eindrücke der letzten zwei Jahre in einem Buch niederschreiben. Das hat sich bei uns so eingebürgert. Man vergisst unglaublich schnell und unglaublich viel. Dann endlich wieder einmal nach Zermatt zu Weihnachten. Darauf freue ich mich wahnsinnig. Danach bald einmal nach Kambodscha, temporär ausgewanderte Familienmitglieder besuchen und natürlich viel, viel mehr Wandern. Es gibt noch so viel zu entdecken!

Vera_1

 

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