Schaufenster: Alpine Sicherheit

Bild Alpine Sicherheit
Ob doppelt besser hält und schützt?

Alle, die Klettern oder z’Berg gehen, haben es wohl schon erlebt: Die routinierten Handhabungen beim Abseilen oder Sichern gehen plötzlich fehl. Man bindet sich falsch beim Sitzgurt ein, vergisst, beim Abseilen einen Knopf in die Seile zu machen oder knüpft den Prusik nicht richtig. Wenn man Glück hat, kommt man mit dem Schrecken davon – ohne Glück kann ein solcher Lapsus fatale Folgen haben.

Zwar befasst man sich beim Bergsteigen und Klettern immer auch mit Sicherheit, aber: Niemand ist unfehlbar. Gerade geübte Bergsteigerinnen und Kletterer laufen Gefahr, den Autopiloten einzuschalten und nicht mehr jedes Mal zu überprüfen, was die Hände tun.

Darum gibt es seit gut einem Jahr die Website alpinesicherheit.ch, auf der brenzlige Situationen beim Klettern, Bergsteigen und Skitouren oder (Beinahe-)Unfälle gemeldet werden können. Die Plattform wurde lanciert von der Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu und dem SAC, in Kooperation mit dem Bergportal.

Inspiration für alpinesicherheit.ch waren Online-Plattformen für Ärzte. Die medizinischen Portale heissen CIRS – das steht für „Critical Incident Reporting System“. Unter „critical incidents“ versteht man „unerwartet auftretende gefährliche Situationen, die ohne oder trotz einer Intervention zu einem unerwünschten Ausgang oder zu einem Zwischenfall geführt haben; oder, wenn der Schaden gerade noch abgewendet werden konnte, zu einem Beinahezwischenfall“. In Spitälern kann es Menschleben retten, wenn man von den Patzern seiner Kolleginnen und Kollegen erfährt. Wenn ein Arzt oder eine Ärztin sich selbst in einer geschilderten Situation wiederfindet, kann die irgendwann einmal gelesene Meldung bestenfalls das eigene Handeln positiv beeinflussen.

Zurück zur „Alpinen Sicherheit“. An einem sonnigen Tag Ende Juni habe ich mich mit Ueli Mosimann getroffen. Ueli ist der Fachmann in Sachen Sicherheit in den Bergen: Seit über 20 Jahren ist er für die Bergnotfallstatistiken des SAC zuständig. Er ist in Kontakt mit Schweizer Bergrettungsorganisationen und entsprechenden Vereinigungen und Institutionen. Und Ueli ist es – zusammen mit Monique Walter von der bfu – der die Einträge auf alpinesicherheit.ch prüft und kommentiert. Wo nötig, setzen sich die beiden mit Experten der jeweiligen Themen in Verbindung. Die sind sich allerdings auch nicht immer einig. Manchmal sei es knifflig, meint Ueli, die verschiedenen Expertenmeinungen für einen Kommentar schlüssig zusammenzufassen.

Gemäss Ueli Mosimann werden immer wieder Fehlmanipulationen beim Sichern gemeldet, dies passiert oft auch beim Klettern in der Halle. Interessant und wertvoll sei, dass selten dieselben Vorfälle gemeldet werden, sondern eher „Ausreisser“ und somit Meldungen, die in der Lehrmeinung noch nicht gefestigt sind.

Gerade deshalb wäre es sinnvoll, dass möglichst viele Menschen, die klettern und bergsteigen, regelmässig auf alpinesicherheit.ch nachschauen, was sie von den Fehlern von anderen lernen könnten. Wer dabei aktiv mitmacht, kann unter Umständen wichtige Erkenntnisse an viele Menschen weitergeben.

Ueli wünscht sich auf alpinesicherheit.ch vor allem Einträge eigener Erlebnisse und Vorkommnisse. Weniger sinnvoll scheinen ihm Berichte darüber, was man bei fremden Seilschaften beobachtet hat.

Das Formular zum Erfassen von Einträgen lässt offen, ob jemand seine Mailadresse hinterlassen möchte, damit Ueli Mosimann oder Monique Walter die meldende Person kontaktieren und allfällige Fragen klären können. Da keine IP-Nummern der Verfasser hinterlegt werden, ist es sonst nicht möglich, die Personen für weitere Auskünfte ausfindig zu machen. Alle Einträge sind also anonym.

Wissen teilen ist mir persönlich ein besonderes Anliegen und auch das Kernthema des Bergbüros sowie meiner Wissensberatung. Wissen teilen ist auch der Grundgedanke der „Alpinen Sicherheit“, auf deren Website zu lesen ist: „Lerne aus Fehlern und Erfahrungen von anderen, denn das Leben ist zu kurz, um alle Fehler selbst zu machen.“

www.alpinesicherheit.ch

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