Schaufenster: Stockhorn Sport

IMG_20140715_153529

Als ich vor drei Jahren das Bergbüro lancierte, ging ich das erste Mal in meinem Leben an eine Fachmesse für Outdoor-Sport. Ich war beeindruckt und etwas überfordert ob der schieren Menge an Ständen und Menschen an der OutDoor in Friedrichshafen. Damals kannte ich praktisch niemanden aus der Branche – lediglich die Geschäftsführer der Läden, in denen ich einzukaufen pflegte.

Jedes Jahr begegne ich auch Sylvie Brand vom Stockhorn Sport an der Messe in Friedrichshafen. Ich kenne Syle vom Bouldern im B2, und seit wir in Thun wohnen, war ich natürlich auch schon in ihrem Laden. Schon länger hat mich interessiert, was die Ladenbesitzer an der Messe machen.

Um diese Fragen beantwortet zu kriegen, traf ich mich kürzlich mit Syle. Dabei fingen wir ganz vorne an: Wie lange ist Syle überhaupt schon dabei? Es stellt sich heraus, dass sie – man glaubt es kaum – ein Urgestein der Sportladenbranche ist. Vor 20 Jahren hat sie den Stockhorn Sport blutjung übernommen. Zuvor hatte sie im Eiselin eine Lehre als Sportartikelverkäuferin absolviert. Schon damals war es ihr Traum, mal einen eigenen Laden zu haben. Hätte sie gewusst, meint sie lachend, worauf sie sich einlässt – sie hätte wohl die Finger von der Sache gelassen. Zwei Wochen habe sie damals Zeit gehabt zum Entscheiden. Dann hat sie zugeschlagen.

Aus einer Unternehmerfamilie kommend war dieser Schritt für Syle ziemlich naheliegend. Zwei Mitarbeitende konnte sie übernehmen, mit total 200 Stellenprozenten stemmten sie den Laden zu Beginn. Inzwischen sind es fünf Frauen, die zusammen mit Syle im Geschäft tätig sind. Irgendwie habe es sich bewährt, nur mit Frauen zusammenzuarbeiten. Dennoch gibt es wohl kein anderes Bergsportgeschäft in der Schweiz mit einem rein weiblichen Team.

Aber wie läuft das jetzt mit den Messen? Es ist so, sagt Syle, an die Messen gehe sie, um sich über die Kollektionen der einzelnen Produzenten zu informieren. Der Einkauf geht erst nach der Messe über die Bühne. Im Juli für die Bekleidung und Textilwaren, im September für die Hartwaren. Dafür reist Syle zu den Showrooms der Produzenten, die sich fast alle im Raum Zürich befinden. Ab und zu komme auch ein Vertreter direkt ins Geschäft, bei dem sie dann vor Ort die Bestellungen mache.

Mir wird mulmig bei dem Gedanken, mich jetzt für die Produkte für den Sommer 2015 entscheiden zu müssen. Welche Farben? Welche Marken? Welche Schnitte? Das macht Syle nach 20 Jahren kein Bauchweh mehr. Sie hat langjährige Kontakte zu den Vertretern, weiss in etwa, was ihre Kundschaft kauft, und sie bestellt in der Regel nur ein Stück pro Grösse. S’hät so langs hät. Der grösste Teil ihres Bekleidungsangebotes sei bunt, schwarz könne in der Regel immer noch nachbestellt werden, wenn das ein Kunde oder eine Kundin wünsche. Syle hat lieber eine grosse Auswahl.

An der Messe und beim Einkaufen denke sie recht oft an spezifische Kundinnen und Kunden: Oh, diese Jacke würde dem Hans bestimmt gefallen! Oder: Dieses Stück bestelle ich in einem XS, weil es für eine bestimmte Kundin schwierig sei, Hosen in ihrer Grösse zu finden. Das ist noch Kundennähe!

Auf meine Frage hin, was ihr an den Messen am besten gefalle, meint Syle: Endlich mal etwas Zeit zu haben, mit Vertretern zu reden, Kontakte zu pflegen und das Netzwerk ausbauen. Wer Syles Leuchten in den Augen sieht, wenn sie von ihrem Business spricht, weiss: Diese Frau macht ihren Job mit Leidenschaft.

jubi stockhorn

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Schaufenster. Fügen Sie den permalink zu Ihren Favoriten hinzu.

Kommentare sind geschlossen.